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Studieren nur noch für Reiche?

Hetzbacke 2 Comments

Ich weiß, dass die Überschrift ein wenig reißerisch ist, allerdings kommt es einem als Student ein wenig so vor, als würde sich unsere Gesellschaft in genau diese Richtung entwickeln. Es werden, in gefühlter halbjährlicher Regelmäßigkeit über die Gelder geredet, die Hartz IV Empfänger bekommen und das man damit überhaupt nicht richtig leben kann. In wie weit das zutrifft kann ich nicht beurteilen, ich habe selber nie Hartz IV bezogen und kenne mich da mit den ganzen Formularen und Anträgen sowie Finanzierungsmöglichkeiten auch nicht aus. Was mir dabei, und vor allem bei den Zahlen die man dann gerne in den Medien gerne um die Ohren geschlagen bekommt, immer wieder auffällt ist, dass es aus Sicht eines Studenten schon jammern auf höherem Niveau ist. Da wird sich dann gerne mal beschwert, dass man nur von 400€ im Monat leben soll, nicht zu vergessen hierbei ist allerdings, dass die Wohnung schon vom Amt bezahlt wird. Natürlich kann man damit keine großen Sprünge machen, was auch gar nicht mit dieser Grundsicherung vereinbar wäre, aber wenn ich ehrlich wäre, als Student würde ich mich über 400€ im Monat freuen.

Wenn wir mal von dem Fall ausgehen, dass man als Student über 25 Jahre alt ist und den vollen Bafög-Satz bekommt, sind das 670€ im Monat. Davon soll man dann bitte etwa 70€ Krankenkasse zahlen, die Wohnung, welche selbst in kleinen Städten mit unbekannten Hochschulen nicht unter 250€ im Monat zu haben ist, den Internetzugang den man mittlerweile für das Studium braucht, etwa 30€ und die Versorger mit Strom und Wasser wollen sicher auch noch mal etwa 50€ im Monat haben. Jetzt hat der Student ja noch 270€ im Monat zum leben höre ich jetzt schon die ersten sagen. Nach der Rechnung hier stimmt das auch, allerdings sollte man dabei nicht vergessen, dass hier noch so kleine Dinge wie die GEZ, Bücher und andere Materialen fürs Studium hinzu kommen, die man nicht fix festlegen kann und Lebensmittel braucht man ja auch. Wenn ich für Lebensmittel 50€ in der Woche veranschlage sind wir bei 70€ im Monat mit denen man also die „kleinen“ Ausgaben als Student bestreiten soll.

Aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich, dass die meisten Studenten sich einen Job suchen um sich nebenbei noch etwas hinzu zu verdienen, damit man wenigstens nicht am Ende jedes Monats überlegen muss wie man denn nun seine Rechnungen bezahlt, allerdings hat das ganze immer auch ein wenig nachteilige Auswirkungen auf das Studium. Denn bei dem was ein Bachelor- und Masterstudium an Präsenz- und Eigenstudium verlangen, ist eigentlich kaum noch Zeit zum arbeiten. Davon mal ab, dass es nicht gerade immer einfach ist einen Arbeitgeber zu finden, der damit klar kommt, dass der Arbeitnehmer im Klausurzeitraum, oder auch gerne mal 4 Wochen davor, nicht arbeiten kann, weil er für die Klausuren lernen muss.

Als es dann aus der Politik hieß, dass man den Bafög-Satz anpassen will, weil man erkannt hat, dass die Geldmittel nicht reichen um Studenten zu helfen habe ich mich gefreut. Nicht zwingend für mich, denn ich bekomme kein Bafög, so aber doch für meine Kommilitonen die darauf angewiesen sind. Eigentlich sollte im Januar 2016 der Bafög-Satz angehoben werden, auf maximal 735€, und es sollte noch einige weitere Verbesserungen geben. Doch wie es bei Ausgaben und der Politik gerne mal ist, wurde das ganze dann einfach mal um mindestens eins halbes Jahr verschoben, jetzt steht Herbst 2016 im Raum. Das ist nun nicht gerade schön, aber etwas mit dem man leben kann, bzw. muss.

Wenn dann allerdings 2 Monate später die Hochschulrektoren auf der Hochschulrektorenkonferenz das Wiedereinführen von Studiengebühren gefordert wird, weil die Hochschulen nicht ausreichend finanziert sind und man sonst Einsparungen fürchtet. Ich weiß ja nicht was bei denen im Kopf vorgeht, aber woher sollen Studenten, die eh schon wenig Geld haben, bitte noch das Geld für eben diese Studiengebühren nehmen? Sofern man keine reichen Eltern hat ist man nach seinem Studium eh schon entweder über das Bafög oder einen Studienkredit verschuldet. Soll jetzt jeder Student noch einen weiteren Kredit aufnehmen nur um die Hochschulen zu finanzieren? Dann kann man die öffentlichen Hochschulen in meinen Augen auch gleich dicht machen und durch private ersetzen. Ich war irgendwie der irrigen Meinung, dass Bildung in diesem Land ein freies Gut ist und vor allem über das Verfassungsprinzip der Gleichberechtigung für alle zugänglich sein sollte. Wenn mich nicht alles irrt, steht das im Grundgesetz, Artikel 3 Absatz 3, aber was weiß ich denn schon.

Ich will auch gar nicht abstreiten, dass die deutschen Hochschulen unter knappen Geldmitteln leiden müssen, während z.B. in Berlin Unsummen für einen Flughafen versenkt werden. Allerdings dieses Geld von den Studenten zu fordern, die eh kaum genug haben ist dann in meinen Augen der falsche Weg. Es mag für die Hochschulrektoren einfacher sein die Studenten in die Pflicht zu nehmen, da diese kaum über eine nennenswerte Lobby verfügen, als sich mit den Ländern und dem Bund zu streiten, aber ob das wirklich Zielführend ist wage ich stark zu bezweifeln. Ich für meinen Teil wüsste gar nicht wie ich Studiengebühren von, basierend auf den Studiengebühren von 2005, 500€ im Semester bezahlen soll. Denn zu diesen Gebühren kommt ja noch der Semesterbeitrag, der zwischen 100€ und 250€ liegt, abhängig von der Hochschule. Das wären dann im schlimmsten Fall 750€ extra pro Semester, oder eben 125€ im Monat an neuen Kosten. Wenn ich dann noch mal auf die am Anfang getätigte Rechnung verweise, wie viel Geld ein Student im Monat zu leben hat, sind wir jetzt schon bei -55€. Da sind dann aber noch lange keine Kosten für neue Klamotten, Studienunterlagen und Büchern sowie GEZ mit eingeflossen.

Mit diesen Zahlen im Hinterkopf hat man dann auch eine Erklärung dafür, dass sich in den Hochschulen langsam aber sicher eine zwei Klassen Gesellschaft bildet. Auf der einen Seite hat man die Studenten die ihr Studium über ihre Eltern finanziert bekommen und sich, zumindest zum Großteil, keine Gedanken über Geld machen müssen und dann sind auf der anderen Seite die Studenten die über das Bafög oder einen Studienkredit sich ihr Studium finanzieren und ein ganz anderes Leben führen. Ich will damit nicht sagen, dass man das Bafög nun auf 1200€ anheben sollte, allerdings würde ich aus meiner Erfahrung von etwa 850€ im Monat als vernünftige Grundlage ausgehen. Allerdings befürchte ich, dass sich so etwas nicht durchsetzen lassen wird, weil auch einfach die Lobby der Studenten für die politischen Entscheidungsträger irrelevant ist. Ich für meinen Teil fürchte einfach, dass es in einigen Jahren wirklich nur noch Kindern aus reichen Familien möglich sein wird zu studieren und das ist eine Entwicklung die ich persönlich sehr kritisch sehe.

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